Diversity in Leadership & Tech

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Barbara Wülser,

Stabsstelle für Chancengleichheit von Frau und Mann Kanton Graubünden

Mein Fazit: Wer investiert, wird belohnt. Nein, es geht weder um eine Kapitalanlage noch um eine Weiterbildung. Es geht um egual21, den Aktionsplan Gleichstellung der kantonalen Verwaltung. Im Juni 2021 sind wir gestartet, Ende dieses Monats schliessen wir das Projekt offiziell ab. Wenn ich vor fünf Jahren, als ich meine Stelle als Leiterin der Stabsstelle für Chancengleichheit von Frau und Mann (Stagl) angetreten hatte, gewusst hätte, was mich erwartet ... Ja, was dann? Von den Ergebnissen und den Lernmomenten möchte ich hier berichten.

Die erste Auszahlung

Der Evaluationsbericht der externen Fachstelle UND zeigt in allen untersuchten Bereichen eine positive Entwicklung. Der Frauenanteil in der kantonalen Verwaltung stieg von 36 auf 42 Prozent. Rahmenbedingungen für Vereinbarkeit und Gleichstellung wurden verbessert, etwa bei Jobsharing, Rekrutierung oder Arbeitsflexibilität. Gleichzeitig bleibt Potenzial: Besonders bei Frauen in Führungspositionen schöpfen wir noch nicht aus, was möglich wäre. All dies und noch viel mehr ist nachzulesen im Evaluationsbericht der externen Fachstelle UND, zu finden auf unserer Website www.stagl.gr.ch. Insgesamt zeigen die Ergebnisse der Evaluation eindeutig: Wer bereit ist, in Gleichstellung und Vereinbarkeit zu investieren, kommt vorwärts.

Die kurzfristige Rendite lässt sich bereits heute erkennen: Gleichstellung und Vereinbarkeit haben an Gewicht gewonnen. Mehr zeitliche Autonomie, mehr örtliche Flexibilität, fairere Rekrutierungsprozesse und damit bessere Chancen für Menschen mit nicht-linearen Lebensläufen. Hinzu kommen mehr Transparenz und eine stärkere Sensibilisierung für gleichstellungsrelevante Themen.

Doch auch langfristig versprechen Investitionen in Gleichstellung und Inklusion attraktive Renditeaussichten: zufriedenere, motiviertere und gesündere Mitarbeitende, mehr Innovationskraft, weniger Ausfälle und ein grösseres Reservoir an Fachkräften. Und schliesslich erfüllt der Kanton damit auch seinen Anspruch, ein moderner und vorbildlicher Arbeitgeber zu sein.

Lehrgeld und Lernkurve

Nun zu den Lernmomenten. Absolut bewährt hat sich der partizipative Ansatz. Gleichzeitig habe ich gelernt: Partizipation hat ihre Grenzen. Die Mitwirkenden wollten Mitsprache, aber auch Orientierung. Spielraum, aber auch klare Rahmenbedingungen. Das ist nachvollziehbar – schliesslich war egual21 für die meisten nicht Hauptaufgabe, sondern Zusatzauftrag. Dass das Projekt erfolgreich umgesetzt werden konnte, verdanken wir diesen unzähligen engagierten Mitwirkenden.

Ein zweiter Lernpunkt: Jedes Projekt braucht ausreichende Ressourcen – oder muss an die vorhandenen Ressourcen angepasst werden. Wir kamen mit schlanken Projekt- und Sachkosten durch. Knackpunkt waren die Personalressourcen. Die Dienststellen stemmten dieses Projekt ohne zusätzliche Stellenprozente, und wir von der Stagl konnten einige zusätzliche Prozente erst im Projektverlauf mobilisieren. Das Stagl-Team kam an seine Grenzen und zeitweise darüber hinaus. Das würde ich beim nächsten Mal anders machen.

Wenn Silos durchlässig werden

egual21 hat geholfen, das Gärtchendenken aufzubrechen und die Zusammenarbeit über die 39 Dienststellen, fünf Departemente und die Standeskanzlei hinweg zu stärken. Für mich war faszinierend zu erfahren, wie unterschiedlich die Arbeitsrealitäten innerhalb derselben Verwaltung sind. Viele arbeiten mobil-flexibel, andere mit Schichtplänen, am Schalter, auf Abruf, abends, am Wochenende. Hier Chancengleichheit zu erreichen, ist eine echte Herausforderung und ein Experimentierfeld. Pilotprojekte erforschten solche und andere Felder, wo Erfahrungen noch rar und Lösungen noch zu entwickeln und erproben sind.

Was ich allerdings bis heute nicht verstehe, sind die Vorbehalte gegen Zielwerte. Jedes Projekt und jede Strategie definiert Ziele und Indikatoren – warum bei der Gleichstellung nicht?

Die Bilanz ist noch nicht gezogen

Nun übergeben wir die Verantwortung für die betriebliche Gleichstellung und Vereinbarkeit ans Personalamt und freuen uns, ihnen weiterhin beratend zur Seite stehen zu können. Damit haben wir wieder mehr Ressourcen für unseren Kern-Auftrag: die Gleichstellung in der Bündner Bevölkerung und Wirtschaft voranzubringen.

Eine Szene aus der Arbeitsgruppe, die den Aktionsplan partizipativ entwickelt hatte, haftet noch in meiner Erinnerung: Ein dickes Seil liegt als Linie am Boden. Die meisten treten darüber und zeigen so, dass sie den Aktionsplan mittragen. Einige stehen auf dem Seil, mit Vorbehalten. Zwei Führungskräfte bleiben dahinter stehen. Fünf Jahre später frage ich mich: Würden heute alle über das Seil treten?

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